Kurz gesagt: Den Gründungszuschuss gibt es von der Agentur für Arbeit, wenn Sie Arbeitslosengeld I beziehen. Das Einstiegsgeld gibt es vom Jobcenter, wenn Sie Grundsicherung beziehen. Beides sind Ermessensleistungen: Das Gesetz sagt „kann“, nicht „muss“. Einen Anspruch auf die Förderung haben Sie in beiden Fällen nicht (Rechtsstand Oktober 2026).
Der Kern: Welche Leistung beziehen Sie?
Welche Förderung für Sie in Frage kommt, entscheidet nicht Ihr Wunsch, sondern Ihre laufende Leistung:
- Sie beziehen Arbeitslosengeld I (Versicherungsleistung): Zuständig ist die Agentur für Arbeit. Die Förderung heißt Gründungszuschuss, § 93 SGB III.
- Sie beziehen Grundsicherungsgeld (früher Bürgergeld, SGB II): Zuständig ist das Jobcenter. Die Förderung heißt Einstiegsgeld, § 16b SGB II.
Beide Förderungen setzen voraus, dass Sie Leistungen beziehen. Wer weder das eine noch das andere bezieht, kommt für beide nicht in Frage. Dann bleiben andere Wege, zum Beispiel Förderkredite.
Korrektur: Der Gründungszuschuss ist kein „Anspruch“
Manchmal wird der Gründungszuschuss als Anspruch dargestellt. Das stimmt nicht. § 93 Abs. 1 SGB III sagt, dass Gründer den Zuschuss erhalten „können“, und Abs. 2 sagt, er „kann geleistet werden“. Die Agentur für Arbeit entscheidet nach Ermessen. Sie haben Anspruch auf eine fehlerfreie Entscheidung, nicht auf die Zahlung. Beim Einstiegsgeld ist es ebenso: § 16b Abs. 1 SGB II sagt „kann“.
Der Vergleich auf einen Blick
| Gründungszuschuss | Einstiegsgeld | |
|---|---|---|
| Rechtsgrundlage | § 93, § 94 SGB III | § 16b SGB II und Einstiegsgeld-Verordnung |
| Zuständig | Agentur für Arbeit | Jobcenter |
| Wer kommt infrage | Wer bis zum Start Anspruch auf Arbeitslosengeld hat, der bei Aufnahme noch mindestens 150 Tage beträgt | Erwerbsfähige Leistungsberechtigte der Grundsicherung |
| Art der Tätigkeit | Selbstständig und hauptberuflich | Selbstständige oder sozialversicherungspflichtige Erwerbstätigkeit |
| Rechtscharakter | Ermessen („kann“) | Ermessen („kann“) |
| Höhe | Zuletzt bezogenes Arbeitslosengeld plus 300 € monatlich, sechs Monate; danach 300 € monatlich | Keine feste Pauschale; Grundbetrag höchstens 50 % des Regelbedarfs, mit Zuschlägen, insgesamt gedeckelt auf den Regelbedarf |
| Dauer | 6 Monate, auf Antrag weitere 9 Monate (insgesamt höchstens 15 Monate) | Höchstens 24 Monate, solange die Erwerbstätigkeit besteht |
| Nachweis der Tragfähigkeit | Stellungnahme einer fachkundigen Stelle ist vorzulegen | Kein gesetzlich genannter Nachweis; in der Praxis erwartet das Jobcenter ein tragfähiges Konzept |
Quellen: § 93 Abs. 1 bis 2 und § 94 Abs. 1 bis 2 SGB III; § 16b Abs. 1 bis 3 SGB II; § 1 ESGV (Rechtsstand Oktober 2026).
Gründungszuschuss: Das gilt nach dem Gesetz
- Anspruch auf ALG I: Er muss bis zur Aufnahme der Selbstständigkeit bestehen und bei Aufnahme noch mindestens 150 Tage dauern (§ 93 Abs. 2 Nr. 1 SGB III).
- Tragfähigkeit: Sie weisen der Agentur für Arbeit die Tragfähigkeit nach, mit der Stellungnahme einer fachkundigen Stelle, zum Beispiel einer IHK, Handwerkskammer oder eines Kreditinstituts (Abs. 2 Satz 2).
- Kenntnisse: Sie legen Ihre Kenntnisse und Fähigkeiten für die Tätigkeit dar (Abs. 2 Nr. 3).
- Sperre: Nach einer früheren Gründungsförderung nach dem SGB III müssen Sie 24 Monate warten, außer in besonders begründeten Fällen (Abs. 4).
- Höhe: Sechs Monate lang das zuletzt bezogene Arbeitslosengeld plus 300 Euro, danach höchstens neun weitere Monate 300 Euro (§ 94 SGB III).
Die Schritte zum Antrag finden Sie in unserem Ratgeber Gründungszuschuss richtig beantragen. Falls die Agentur ablehnt, hilft Ihnen Gründungszuschuss abgelehnt: Gründe, Widerspruch, Fristen.
Einstiegsgeld: Das gilt nach dem Gesetz
- Zweck: Es soll bei Aufnahme einer Erwerbstätigkeit die Hilfebedürftigkeit überwinden und kann erbracht werden, wenn es zur Eingliederung in den allgemeinen Arbeitsmarkt erforderlich ist (§ 16b Abs. 1 SGB II).
- Auch bei Wegfall der Hilfebedürftigkeit: Es kann auch erbracht werden, wenn die Hilfebedürftigkeit durch oder nach Aufnahme der Tätigkeit entfällt.
- Dauer: höchstens 24 Monate, soweit in diesem Zeitraum eine Erwerbstätigkeit besteht.
- Höhe: keine feste Pauschale, siehe Einstiegsgeld: Wie hoch ist es?
- Gewinn: wie Ihr Gewinn angerechnet wird, steht in Einstiegsgeld und Gewinn, die Freibetrags-Rechnung samt Partner-Anstellung in Freibetrag beim Gründen aus dem Jobcenter.
- Sachgüter: zusätzlich kann das Jobcenter nach § 16c SGB II Zuschüsse und Darlehen für notwendige Sachgüter geben, siehe Jobcenter-Sachmittel für Gründer.
Welche Förderung passt zu Ihnen? Beispiele
| Ihre Lage | Wahrscheinlich zuständig | Förderung |
|---|---|---|
| Sie beziehen ALG I, der Anspruch dauert noch mindestens 150 Tage | Agentur für Arbeit | Gründungszuschuss |
| Sie beziehen ALG I, es sind weniger als 150 Tage Restanspruch | Agentur für Arbeit | Gründungszuschuss ist nach § 93 Abs. 2 Nr. 1 nicht möglich; sprechen Sie mit der Agentur über Alternativen |
| Sie beziehen Grundsicherungsgeld | Jobcenter | Einstiegsgeld, ggf. Sachmittel nach § 16c |
| Sie beziehen ALG I und stocken mit Grundsicherung auf | Hängt vom Einzelfall ab | Klären Sie die Zuständigkeit schriftlich vor dem Start |
Welche Behörde entscheidet, steht im Bescheid
Diese Tabelle ordnet ein, sie entscheidet nicht. Verbindlich ist, welche Behörde Ihnen die Leistung bewilligt, die Sie beziehen. Fragen Sie dort vor dem Start nach, welche Förderung sie in Ihrem Fall prüft.
Typische Fehler
Das kostet am häufigsten die Förderung
Zu spät beantragen: Beim Einstiegsgeld muss der Antrag nach der Fachlichen Weisung der Bundesagentur für Arbeit vor der Aufnahme der Tätigkeit gestellt werden. Beim Gründungszuschuss zählt der Restanspruch bei Aufnahme. Planen Sie beides vor dem Start.
Die falsche Behörde ansprechen: Der Gründungszuschuss kommt von der Agentur für Arbeit, das Einstiegsgeld vom Jobcenter.
Mit der Zusage rechnen: Beide sind Ermessen. Kalkulieren Sie im Finanzplan so, dass Ihr Start auch ohne die Förderung trägt.
Quellen und Rechtsstand (Oktober 2026)
§ 93 SGB III · § 94 SGB III · § 16b SGB II · § 1 ESGV · § 16c SGB II. Zum Zeitpunkt des Antrags: Fachliche Weisungen der Bundesagentur für Arbeit. Gesetze und Weisungen können sich ändern. Maßgeblich ist die Entscheidung Ihrer Behörde.
Kostenfreies Erstgespräch
Welche Förderung für Sie passt, hängt von Ihrer Leistung ab. In 30 Minuten klären wir sie individuell, kostenfrei.
Erstgespräch anfragenSo gehen Sie vor
- Leistung prüfen: Schauen Sie in Ihren Bescheid. ALG I bedeutet Agentur für Arbeit, Grundsicherungsgeld bedeutet Jobcenter.
- Unterlagen erstellen: Businessplan und Finanzplan. Mit dem Finanzplan-Tool starten Sie schnell. Ein AVGS-Gutschein kann das Coaching dafür finanzieren, siehe Wer bekommt AVGS?.
- Tragfähigkeit klären: Beim Gründungszuschuss brauchen Sie die Stellungnahme einer fachkundigen Stelle, siehe Tragfähigkeitsbescheinigung. Wenn Sie sie nicht allein vorbereiten wollen: Tragfähigkeitsbescheinigung prüfen und erstellen lassen.
- Vor dem Start beantragen bei der zuständigen Behörde.
Regionale Informationen finden Sie hier: Gründungszuschuss in Heidelberg und Karlsruhe, Einstiegsgeld in Heidelberg, Karlsruhe, Berlin und Rostock.
Dieser Artikel ist eine Einordnung und kein Versprechen für ein bestimmtes Ergebnis. Er ersetzt weder Rechts- noch Steuerberatung.