Was ist eine Firma wert? Verkäufer und Käufer sehen den Preis unterschiedlich

Der Preis eines Betriebs entsteht zwischen zwei Sichtweisen. Wer übernehmen will, sollte beide verstehen, bevor er verhandelt.

Kurz gesagt: Der Wert einer Firma ist keine feste Zahl, sondern entsteht zwischen zwei Sichtweisen: Der Verkäufer bewertet sein Lebenswerk, der Käufer den künftigen Ertrag und das Risiko. Üblich sind ertragsorientierte Verfahren, Multiplikatoren und der Substanzwert. Als Käufer prüfen Sie Zahlen, Verträge und Abhängigkeiten, bevor Sie einen Preis akzeptieren.

Wie bei einer Immobilie: Der Preis entsteht zwischen zwei Sichtweisen

Stellen Sie sich ein Haus vor. Die Verkäuferin denkt an die Jahre, die sie darin gelebt und in die sie investiert hat. Der Käufer denkt an Miete, Reparaturen und daran, was ihm das Haus in den nächsten Jahren einbringt. Beide haben recht, und trotzdem kommt am Ende ein Preis zustande, den beide akzeptieren, weil der Markt und die Verhandlung ihn zwischen den Sichtweisen festlegen.

Bei einer Firma gilt dasselbe, nur mit mehr Unbekannten. Ein Unternehmen hat keinen Katasterwert und keinen Mietspiegel. Deshalb gibt es nicht die eine richtige Zahl, sondern eine Spanne, in der ein Preis begründbar ist.

Warum Verkäufer und Käufer unterschiedlich bewerten

Sicht des Verkäufers

  • Lebenswerk: Jahre an Arbeit, Aufbau und persönlichem Einsatz fließen in die Preisvorstellung ein.
  • Vergangenheit: Bisherige Erfolge und Umsätze gelten als Beleg für den Wert.
  • Altersvorsorge: Der Verkaufserlös soll oft den Ruhestand mittragen.

Sicht des Käufers

  • Künftiger Ertrag: Entscheidend ist, was der Betrieb in Zukunft verdient, nicht was er früher geleistet hat.
  • Risiko: Hängt der Betrieb am bisherigen Inhaber, an wenigen Kunden oder an einem Standort?
  • Eigener Einsatz: Als Übernehmer arbeiten Sie im Betrieb mit und müssen davon leben können.

Diese Lücke ist normal. Sie wird kleiner, wenn beide Seiten ihre Annahmen offenlegen und der Preis sich auf nachvollziehbare Zahlen stützt.

Gängige Bewertungsansätze, qualitativ erklärt

Es gibt drei Grundrichtungen. Welche passt, hängt von Branche, Größe und Ertragslage ab. Konkrete Faktoren oder Beispielwerte nennen wir hier bewusst nicht, weil sie ohne Kenntnis Ihres Einzelfalls irreführen würden.

Steuerlicher Wert ist nicht der Marktpreis

Das vereinfachte Ertragswertverfahren nach §§ 199 ff. Bewertungsgesetz (BewG) ist ein steuerliches Verfahren, zum Beispiel für Erbschaft und Schenkung. Es sagt nicht, was ein Käufer am Markt zahlen würde, und taugt deshalb nicht als Kaufpreis-Maßstab.

Hinweis

Dieser Artikel gibt eine Orientierung und ersetzt keine Bewertung durch Steuerberater oder Wirtschaftsprüfer. Für einen konkreten Kaufpreis holen Sie eine fachliche Bewertung ein.

Was Käufer vor einer Übernahme prüfen

Bevor Sie einen Preis akzeptieren, schauen Sie genauer hin. Typische Prüffragen:

Diese Sorgfaltsprüfung (Due Diligence) und den Ablauf einer Übernahme insgesamt beschreiben wir im Ratgeber Übernehmen statt Gründen. Dort finden Sie auch Hinweise zu Förderung und Finanzierung, die wir hier nicht wiederholen.

Angebot prüfen lassen?

Im kostenfreien Erstgespräch ordnen wir gemeinsam mit Ihnen ein, was an einer Übernahme für Sie tragfähig ist.

Kostenfreies Erstgespräch anfragen

Wie der Businessplan die Finanzierung trägt

Der Kaufpreis ist nur die halbe Rechnung. Die Bank will sehen, dass der Betrieb nach der Übernahme Kaufpreis, Zinsen und Ihren Lebensunterhalt tragen kann. Dafür brauchen Sie einen Businessplan, der die Zahlen des Betriebs mit Ihren Annahmen verbindet. Wie Banken Kredite für Gründer bewerten, erklärt der Überblick zu Finanzierungsmöglichkeiten. Lehnt eine Bank ab, helfen die drei Wege weiter. Kommen Sie aus dem ALG-I-Bezug, lesen Sie auch zum Gründungszuschuss.

Fazit

Eine Firma ist so viel wert, wie ein Käufer für ihren künftigen Ertrag unter Berücksichtigung des Risikos zu zahlen bereit ist. Verkäufer und Käufer starten aus unterschiedlichen Positionen, und das ist normal. Wer die Bewertungsansätze kennt, Zahlen und Abhängigkeiten prüft und den Preis in einem tragfähigen Businessplan gegenrechnet, verhandelt auf einer sicheren Grundlage.

Rufen Sie uns an unter 06221 - 3215930 oder fordern Sie ein kostenfreies Erstgespräch an.

Business Start EU GmbH

BAFA-Berater-Nr. 205985 · seit 2019 gelistet · 200+ betreute Businessplan-Projekte · 55+ Mio. € Finanzierungsvolumen · Geschäftsführer: Tobias Späth.

Häufige Fragen

Was ist eine Firma wert?

Das lässt sich nicht pauschal sagen. Der Wert hängt davon ab, welchen Ertrag ein Käufer künftig erwartet und wie hoch er das Risiko einschätzt. Verfahren wie das Ertragswertverfahren, Multiplikatoren oder der Substanzwert liefern Orientierung, der Kaufpreis entsteht aber in der Verhandlung.

Warum sehen Verkäufer und Käufer den Preis unterschiedlich?

Der Verkäufer blickt auf Arbeit und Aufbau der vergangenen Jahre. Der Käufer blickt nach vorn: Was verdient der Betrieb künftig, und wie sicher ist das ohne den bisherigen Inhaber? Beide Sichtweisen sind nachvollziehbar, deshalb liegt der erste Preisvorschlag selten da, wo am Ende der Kaufpreis steht.

Welche Verfahren zur Unternehmensbewertung gibt es?

Gängig sind ertragsorientierte Verfahren (künftige Überschüsse), Multiplikatorverfahren (Vergleich mit ähnlichen Betrieben) und der Substanzwert (Wert der vorhandenen Vermögensgegenstände). Wirtschaftsprüfer orientieren sich häufig am Standard IDW S 1 des Instituts der Wirtschaftsprüfer.

Ist das vereinfachte Ertragswertverfahren aus dem Bewertungsgesetz der Marktpreis?

Nein. Das vereinfachte Ertragswertverfahren (§§ 199 ff. BewG) ist ein steuerliches Verfahren, zum Beispiel für Erbschaft und Schenkung. Es bildet nicht zuverlässig ab, was ein Käufer am Markt zu zahlen bereit ist.

Kann ich den Kaufpreis selbst berechnen?

Eine eigene Überschlagsrechnung hilft Ihnen, Angebote einzuordnen. Für eine belastbare Bewertung, auf die sich auch eine Bank stützt, sollten Sie Steuerberater oder Wirtschaftsprüfer einbeziehen. Dieser Artikel ersetzt diese Bewertung nicht.