Übernehmen statt Gründen — der silberne Tsunami als Chance

Warum ein bestehender Betrieb oft der klügere Einstieg in die Selbstständigkeit ist — ehrlich abgewogen, mit Zahlen, Ablauf und Förderung.

Kurz gesagt: Statt bei null zu gründen, können Sie einen bestehenden Betrieb übernehmen — mit Kunden, Umsatz und Team ab Tag eins. Weil in Deutschland deutlich mehr Betriebe abgegeben werden als Käufer suchen, ist das ein Käufermarkt. Ein Betrieb zu übernehmen ist nicht einfacher als gründen, aber oft der schlauere Weg.

Der silberne Tsunami — was gerade passiert

In Deutschland verschiebt sich gerade eine ganze Unternehmergeneration in den Ruhestand. Wer aktuell kurzfristig übergeben will, ist laut KfW im Schnitt bereits rund 65,4 Jahre alt. Vor zwanzig Jahren waren etwa 20 Prozent der Mittelstandsinhaber 55 Jahre oder älter — heute sind es 57 Prozent, mehr als zwei Millionen Menschen. Diese demografische Welle nennt man den „silbernen Tsunami".

Für angehende Selbstständige ist das eine selten günstige Ausgangslage. Denn diese Betriebe müssen einen Nachfolger finden — und davon gibt es zu wenige.

65,4 J.Ø-Alter kurzfr. Übergeber
57 %der Inhaber sind 55+
~186.000Übergaben 2026–2030
~114.000Betriebe/Jahr ohne Nachfolge

Das IfM Bonn rechnet mit rund 186.000 Unternehmen, die zwischen 2026 und 2030 zur Übergabe anstehen. Die KfW rechnet mit jährlich rund 114.000 Betrieben, deren Inhaber keine Fortführung mehr anstreben — viele davon, weil sich kein geeigneter Nachfolger findet. Genau das ist laut Befragungen die mit Abstand größte Hürde: rund drei Viertel der Unternehmen nennen die Nachfolgersuche als Hemmnis. Bundesweit kommen laut DIHK auf jeden Übernahme-Interessenten mehr als zwei abzugebende Betriebe — in der Gastronomie sogar über drei. Das Ergebnis ist ein Käufermarkt: Wer übernehmen will, ist gefragt.

Quellen der Zahlen

Die Kennzahlen in diesem Abschnitt stammen aus Veröffentlichungen von KfW, IfM Bonn und DIHK (Stand 2026). Zahlen können sich mit neuen Erhebungsjahren verschieben — die Größenordnung ist über alle Quellen hinweg stabil.

Warum Übernehmen ein anderer Weg ist als Gründen

Eine Neugründung beginnt mit einer Idee und einem leeren Blatt. Eine Übernahme beginnt mit einem funktionierenden Organismus — und das verändert fast alles. Statt einen Markt erst zu erobern, treten Sie in eine bestehende Struktur ein. Das ist ein echter Vorteil, aber kein Selbstläufer.

Vorteile der Übernahme

  • Umsatz ab Tag eins: Kunden, Aufträge und Cashflow sind bereits da.
  • Eingespieltes Team: Mitarbeiter mit Know-how, das man nicht neu aufbauen muss.
  • Etablierte Marke: Name, Ruf und Referenzen bestehen schon.
  • Lieferanten & Prozesse: Bezugsquellen und Abläufe sind erprobt.
  • Leichtere Finanzierung: Banken bewerten belegte Zahlen wohlwollender als eine Prognose.

Ehrlich: die Nachteile

  • Kaufpreis: Sie zahlen für den Wert vorab — das bindet Kapital.
  • Altlasten: Verträge, Verbindlichkeiten oder Rechtsrisiken können mitkommen.
  • Personengebundenes Wissen: Geht der Inhaber, geht oft Wissen und Kundenbindung mit.
  • Übergabe-Risiko: Eine schlecht geplante Übergabe verunsichert Team und Kunden.
  • Fremde Kultur: Gewachsene Strukturen lassen sich nicht über Nacht umbauen.

Die ehrliche Bilanz: Bei der Gründung tragen Sie das Aufbaurisiko, bei der Übernahme das Auswahl- und Übergaberisiko. Wer sorgfältig prüft und die Übergabe gut plant, tauscht die Ungewissheit „Findet mein Angebot überhaupt Kunden?" gegen die kalkulierbarere Frage „Passt dieser Betrieb zu mir — und stimmt der Preis?".

Für wen sich eine Übernahme besonders eignet

Übernehmen ist nicht für jeden der richtige Weg. Besonders gut passt er zu drei Profilen:

Auch für Menschen mit ALG-I-Anspruch ist der Weg interessant: Die Brücke aus der Arbeitslosigkeit in die Selbstständigkeit lässt sich mit Förderung wie dem Gründungszuschuss flankieren — und die Vorbereitung mit einem AVGS-Gründercoaching finanzieren.

Übernahme oder Gründung — was passt zu Ihnen?

In einem kostenfreien Erstgespräch prüfen wir Ihre Ausgangslage und sagen ehrlich, welcher Weg für Sie sinnvoller ist.

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Wie eine Übernahme grob abläuft

Eine Betriebsübernahme ist ein strukturierter Prozess. In der Praxis laufen manche Schritte parallel, aber grob gliedert sie sich so:

  1. Suche & Matching: Passende Betriebe finden — etwa über nexxt-change, die bundesweite Nachfolgebörse, oder die IHK-Nachfolgebörsen. Vor Detailinformationen steht meist eine Vertraulichkeitsvereinbarung.
  2. Unternehmensbewertung: Ein realistischer Kaufpreis entsteht über anerkannte Verfahren (Ertragswert, Multiplikator) — nicht über die Wunschvorstellung des Verkäufers.
  3. Due Diligence: Die Sorgfaltsprüfung von Zahlen, Verträgen, Personal und rechtlichen Risiken. Hier entscheidet sich, ob der Betrieb hält, was er verspricht.
  4. Finanzierung: Eigenkapital, KfW-Kredite, Bürgschaften und gegebenenfalls ein Verkäuferdarlehen werden zusammengestellt.
  5. Kaufvertrag & Übergabe: Nach der Unterschrift folgt die Einarbeitung — idealerweise begleitet der Übergeber den Nachfolger eine Zeit lang.

Die zentrale Nachfolgebörse

nexxt-change ist die größte Unternehmensbörse Deutschlands und wird von einem Verbund aus BMWK, KfW, DIHK, Handwerk und Bankenverbänden getragen. Die regionale Betreuung übernehmen IHKs und Handwerkskammern.

Förderung und Finanzierung bei einer Übernahme

Ein häufiges Missverständnis: Förderprogramme seien nur etwas für Neugründer. Das stimmt nicht. Die wichtigsten Bausteine gelten ausdrücklich auch für Übernahmen und tätige Beteiligungen:

Einen Überblick über weitere Programme gibt unser Ratgeber zu Fördermitteln für Gründer; die verschiedenen Kreditwege erklären wir unter Finanzierungsmöglichkeiten für Gründer. Kommen Sie aus dem ALG-I-Bezug, kann der Gründungszuschuss die erste Zeit zusätzlich absichern.

Häufige Fehler — und wie Sie sie vermeiden

Übernahmen scheitern selten am Betrieb selbst, sondern an vermeidbaren Fehlern im Prozess:

Die vier teuersten Fehler

  • Kaufpreis ohne Bewertung akzeptieren: Ohne unabhängige Unternehmensbewertung zahlen Sie leicht zu viel.
  • Due Diligence überspringen: Wer nicht in Verträge und Zahlen schaut, kauft Risiken blind mit.
  • Wissen nicht sichern: Verlässt der Inhaber den Betrieb ohne strukturierte Übergabe, geht Kundenbindung verloren.
  • Übergabe zu kurz planen: Eine gute Einarbeitungsphase braucht Monate, nicht Tage.

Die gute Nachricht: Jeder dieser Fehler ist mit Vorbereitung vermeidbar. Eine neutrale Begleitung durch Bewertung, Prüfung und Finanzierung zahlt sich fast immer aus — sie kostet einen Bruchteil dessen, was ein Fehlkauf kostet.

Ihr nächster Schritt

Ob Übernahme oder Gründung der richtige Weg ist, hängt von Ihrer Ausgangslage ab: Branche, Kapital, Risikobereitschaft und Lebensplanung. Genau das klären wir gemeinsam — offen und ohne Verkaufsdruck. Als BAFA-gelistete Gründungsberatung (Berater-Nr. 205985) begleiten wir Sie von der ersten Einschätzung bis zur Finanzierung.

Rufen Sie uns an unter 06221 - 3215930, schreiben Sie uns per WhatsApp oder fordern Sie ein kostenfreies Erstgespräch an. Wir prüfen mit Ihnen ehrlich: Übernahme oder Neugründung?

Business Start EU GmbH

BAFA-Berater-Nr. 205985 · seit 2019 gelistet · 200+ betreute Businessplan-Projekte · 55+ Mio. € Finanzierungsvolumen · Geschäftsführer: Tobias Späth.

Häufige Fragen

Ist es einfacher, einen Betrieb zu übernehmen als neu zu gründen?

Nicht einfacher, aber oft der schlauere Weg. Eine Übernahme startet mit Kunden, Umsatz und einem eingespielten Team — dafür kostet sie Kaufpreis und verlangt eine sorgfältige Prüfung auf Altlasten und personengebundenes Wissen. Der Aufwand verschiebt sich vom Aufbau zur Auswahl und Übergabe.

Wie viele Unternehmen suchen in Deutschland einen Nachfolger?

Das IfM Bonn rechnet mit rund 186.000 Unternehmen, die zwischen 2026 und 2030 zur Übergabe anstehen. Die KfW rechnet zudem mit jährlich rund 114.000 Betrieben, deren Inhaber keine Fortführung mehr anstreben — viele davon, weil sich kein geeigneter Nachfolger findet.

Gilt die KfW-Förderung auch für eine Übernahme?

Ja. Der ERP-Gründerkredit – StartGeld (Programm 067) und der ERP-Förderkredit Gründung und Nachfolge (Programm 077, bis 500.000 Euro) fördern ausdrücklich auch die Übernahme eines Unternehmens oder eine tätige Beteiligung, nicht nur Neugründungen. Für fehlende Sicherheiten gibt es zusätzlich Bürgschaftsbanken.

Was ist der häufigste Fehler bei einer Betriebsübernahme?

Ein Kaufpreis, der ohne unabhängige Unternehmensbewertung akzeptiert wird, und eine übersprungene Due Diligence. Wer nicht in Verträge, Zahlen und Kundenbindung schaut, kauft Risiken mit, die erst nach der Übergabe sichtbar werden.